Anwendungstipps

Wie kannst du EMSI anwenden?

Es gibt einige mögliche Zugänge für EMSI.

EMSI ermöglicht dir tiefes Verstehen in autobiographische Zusammenhänge, besseres Verständnis in Beziehungen, Empathie für einander und Verständnis darüber, was dir ein Symptom zu erzählen hat.

 

  1. EMSI für mich:

 Du bist in eine Situation geraten, die heftige Emotionen in dir hervorruft.

Diskussionen machen keinen Sinn, weil entweder du zu emotional bist oder dein Gesprächspartner dir nicht zuhört.

Verlasse dies Situation, nimm EMSI zur Hand und blättere die Emotionen durch. Wie fühlst du dich aufgrund der soeben erlebten Situation?

Danach blättere die Bedürfnisse durch. Was brauchst du? Was hättest du dir gewünscht und nicht bekommen?

Nun nimm Kontakt zu deinem Kind in dir auf und sag ihm laut, was es braucht.

Diese Arbeit mit dem inneren Kind kannst du verstärken, in dem du eine echte Puppe, die für dich als Kind steht, in die Hand nimmst und mit ihr sprichst.

 Beispiel aus dem Leben von Frau K.:

Frau K. wünscht sich nach einem anstrengenden Arbeitstag die Aufmerksamkeit ihres Mannes. Dieser liegt auf dem Sofa und spielt im Handy. Frau K. sitzt neben ihm und hofft und wartet, dass ihr Mann mit dem Handyspielen aufhört und sich ihr zuwendet. Ihr Ärger steigt, sie macht ihm einen Vorwurf: „Immer spielst du mit dem Handy rum! Ich bin dir offensichtlich egal!“ Er reagiert ebenso verärgert auf den Vorwurf. Der Streit ist entfacht.

Schließlich kommt Frau K. EMSI in den Sinn. Sie verlässt das Wohnzimmer und zieht sich in ein anderes Zimmer zurück.

Sie blättert die EMSIS Emotionen durch und entdeckt, dass sie traurig ist. Trauer steckt oft hinter Ärger. Danach blättert sie die Bedürfnisse durch und entdeckt, dass sie Aufmerksamkeit braucht. Außerdem fehlt ihr das Verständnis, wie sie beim Weiterblättern entdeckt. (Oft sind es mehrere Bedürfnisse!)

Nun nimmt Frau K. ihre Puppe  – die kleine k. – auf den Schoß und sagt ihr: „Ich schenke dir jetzt Aufmerksamkeit! Ich verstehe dich!“

Sie drückt die Puppe fest, weint und spürt der Ursache für den Schmerz nach. Woher kennt Frau K. diese Situation? Ihr Mann hat den Schmerz zwar ausgelöst, die Ursache jedoch liegt in der Vergangenheit.

Frau K.s Eltern waren beide berufstätig, vier Geschwister waren da. Frau K. bekam als Kind wenig Aufmerksamkeit.

Die innere Zuwendung zur kleinen k. tut Frau K. gut. Etwas in ihr heilt.

Auf den Rückseiten der Bedürfniskärtchen liest sie die Anregungen, die sie für sich selbst anwendet.

Frau K. erkennt, dass sie sich selbst Aufmerksamkeit und Verständnis schenken darf und äußert ihrem Mann gegenüber den Wunsch nach handyfreien Zeiten, ohne dabei einen Vorwurf zu machen.

„Bitte lass uns am Wochenende stundenweise das Handy in ein anderes Zimmer legen und einander Aufmerksamkeit schenken!

 

  1. EMSI für dich:

Dein Partner verlässt schmollend den Raum. Du verstehst die Welt nicht mehr. Was ist los? Was hat er bloß? Seine Reaktion ist für dich nicht nachvollziehbar.

Du hast ihm doch nur gesagt, dass du etwas anders haben willst als er.

Du nimmst EMSI zur Hand, denkst an die soeben gewesene Situation und fragst dich, wie es deinem Partner jetzt wohl gehen mag. Du blätterst die Emotionen durch.

Danach blätterst die Bedürfnisse durch. Was braucht dein Partner deiner Meinung nach?

Vielleicht entdeckst du, dass er Angst hat und Sicherheit braucht.

Oder aber er ist verärgert, weil ihm Wertschätzung fehlt.

Nach einer Weile sprichst du deinen Partner empathisch an und sagst ihm: „Kann es sein, dass du Angst hast und Sicherheit brauchst?“

Er verneint. Du probierst etwas Neues.

„Kann es sein, dass dir Wertschätzung gefehlt hat? Du bist deshalb verärgert?

Er nickt. Du hast dich empathisch eingefühlt und ihn berührt.

Es ist dir vielleicht möglich zu sagen, dass du das bedauerst und dass du ihn wertschätzt.

Er fühlt sich verstanden und kann sich dir wieder öffnen.

EMSI hat dir geholfen, empathisch zu sein.

 

  1. EMSI für dein Kind:

Vor dem Einschlafen gehst du EMSI mit deinem Kind gemeinsam durch.

Ihr besprecht eine schwierige Situation, z.B. das Hausaufgaben machen.

Dein Kind wählt z.B. die Emotion „beschämt“ (weil es die Hausaufgaben nicht alleine schafft) und das Bedürfnis „Unterstützung“.

Als Mutter oder Vater kannst du dein Kind nun fragen, in welcher Form es sich Unterstützung wünscht.

Ohne EMSI wärst du vielleicht nie darauf gekommen, dass sich dein Kind schämen könnte und Unterstützung braucht.

 

  1. EMSI für deine Bedürfnisbilanz:

Geh die einzelnen Bedürfnisse durch und frage dich: „Auf einer Skala von 0-5 wie sehr erfülle ich mir dieses Bedürfnis?“

Am Schluss zähle die Zahlen zusammen und dividiere durch 30. So erhältst du einen Durchschnittswert. Liegst dieser bei drei oder drüber, ist deine Bedürfnisbilanz gut.

Liegt der Wert bei drei oder darunter, darfst du näher prüfen, um welche Bedürfnisse du dich in Zukunft mehr kümmern magst.

Alle Bedürfnisse, bei denen du 0-2 notiert hast, sind auf alle Fälle erfüllungswürdig. Beginne mit einem Bedürfnis und finde Möglichkeiten, dir dieses Bedürfnis selbst zu erfüllen. Auf der Rückseite der Bedürfniskärtchen findest du Anregungen dazu.

 

  1. EMSI als Partnertool:

Sitz mit deinem Partner zusammen und fragt euch gegenseitig folgende systemische Fragen:

Wie viel erfülle ich dir dieses und jenes Bedürfnis?

Was glaubst du, wie sehr ich glaube, dass ich dir dieses und jenes Bedürfnis erfülle?

Was glaubst du, wie sehr ich glaube, dass du mir dieses und jenes Bedürfnis erfüllst?

Wodurch erfülle ich dir dieses und jenes Bedürfnis?

Wodurch wünschst du dir, dass ich dir dieses und jenes Bedürfnis erfüllen möge?

Ich glaube, dass ich dir dieses oder jenes Bedürfnis auf diese und jene Weise erfülle.

Stimmt das so für dich?

 

  1. EMSI bei Handicaps:

Menschen, die taub und/oder stumm sind, Menschen, die Emotionen und Bedürfnisse nicht benennen, wohl aber spüren können, können durch EMSI Hilfe bekommen.

Blättere die Emotionen durch und lass sie durch Nicken ihre Zustimmung kundtun.

Dann biete die Bedürfniskärtchen an oder spür selbst nach, was der Mensch brauchen könnte.

 

  1. EMSI als pädagogisches Tool:

Bilde Kleingruppen. Lass die TN darüber austauschen, welche Situation in ihrem Leben die einzelnen Emotionen auslösen.

Danach lass sie über die Grundbedürfnisse diskutieren und Ideen zur Erfüllung derselben finden.

Außerdem lass sie üben, einander zu bitten, dies oder jenes Verhalten zu ändern.

Z.B. „Ich habe Angst, wenn du nicht zurückrufst. (Emotion aufgrund einer Situation)

Ich brauche Sicherheit. (Bedürfnis)

Bitte ruf mich zurück!“ (Appell)

EMSI hilft, vom Kopf – der Sachebene – auf die Selbstoffenbarungs- und Beziehungsebene zu wechseln.

 

  1. EMSI zum Symptomgeflüster:

Du hast ein Symptom. Geh die Bedürfnisse durch und frage dich, welches Bedürfnis erfüllt sich das Symptom?

Diese Frage mag dich verwundern. Doch wenn wir davon ausgehen, dass dein Symptom etwas kann, was du nicht kannst, erscheint es durchaus logisch, zu fragen, was es sich mit dem So-Sein erfüllt.

Beispiel: Fieberblase

Frage: Welches Bedürfnis erfüllt sich die Fieberblase?

Blättere die Bedürfnisse durch:

Mögliche Antworten:

Sie sorgt für Sicherheit (Schutz und Abgrenzung). (Keiner kann mich küssen)

Sie ist sichtbar, also sorgt sie für Aufmerksamkeit.

Nun frage dich, wie gut du dir diese Bedürfnisse im Moment erfüllst.

Sorgst du gut für Sicherheit, Schutz und Abgrenzung? Schenkst du dir genug Aufmerksamkeit? Wenn nein, dann hast du die Funktion deines Symptoms erkannt.

Weitere Beiträge dazu findest du unter www.zauchner-mimra.info

Oder unter „Mentikamente von A-Z….für Ihre Mentale Hausapotheke!“

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