Ich kenne kaum jemanden, der nicht am Montag stöhnt, weil Montag ist und sich am Freitag freut, weil Freitag ist.

Ich kenne kaum jemanden, der sich nicht auf seinen Urlaub freut und – wenn jenseits der 50 – nicht der Pensionierung entgegenfiebert.

Woran liegt das? Ich mag im folgenden Artikel einige Aspekte zur und Anregungen für Arbeitsfreude kundtun.

 

1. Die Kraft des Wortes „Arbeit“

Im Begriff „Arbeit“ steckt eine alte Energie, nämlich die der „Mühe“ und „Plage“.

Kein Wunder also, dass wir uns von täglicher Mühe und Plage erholen wollen, befreien wollen und Leichtigkeit spüren möchten.

Immer, wenn wir in die „Arbeit“ gehen, schwingt (bewusst oder) unbewusst etwas von dieser Schwere und Anstrengung mit. Die ethymologische Kraft eines Wortes ist emotional spürbar, sobald wir es aussprechen oder denken.

Anders ist es, wenn jemand in die „Werkstatt“ fährt. „Werken“ kommt von „wirken“.

Für mich schwingt mit „wirken“ etwas Lebendiges und Sinnhaftes mit.

Ich bewirke etwas mit meiner Arbeit, z.B. wenn ich diesen Artikel schreibe.

Was bewirkst du mit deiner Arbeit? Was möchtest du gern mit deiner Arbeit bewirken? Wenn du gestorben bist, was würdest du bereuen, nicht getan/bewirkt zu haben? Was meint ein Freund, was du in deiner Arbeit bewirkst?

Wenn du mit deiner Arbeit etwas bewirkst, das dir selbst und/oder anderen Menschen dienlich, nützlich, behaglich,..ist, dann macht sie dir aller Wahrscheinlichkeit mehr Freude, als wenn du nichts mit deiner Arbeit bewirkst.

Möchten wir eine lebendige Energie einladen, können wir statt „Ich fahr zur Arbeit“, „Ich gehe arbeiten“ Folgendes denken/sagen:

„Ich gehe ans Werk!“ oder „Ich mach mich ans Werk!“

Fährst du tatsächlich in ein „Werk“ oder in eine „Werkstatt“, dann empfehle ich dir, diese genauso zu benennen.

Andere Menschen können früh morgens in die „Firma“ oder den „Betrieb“ fahren, ins „Gesundheitszentrum“, „das Wohnheim“, das „Amt“ oder „Institut“, die „Fachhochschule“, die „Uni“, ins „Büro“,…Hauptsache nicht „in die Arbeit“.

 

2. Feedback = Rückfütterung

Wenn Arbeitsfreude fehlt, dann ist vermutlich das einzige, was von unserer Arbeit zu uns zurückkehrt der monatliche Lohn.

Eine günstige Bedingung für Freude am Wirken ist, wenn dir „die Arbeit etwas bringt“, wenn „für dich etwas abfällt“, wenn „dir die Arbeit etwas gibt“ und zwar zusätzlich zum Lohn!

Dieser „gute Abfall“ ist wie der „gute Kompost“, den wir dem Acker zurückgeben, damit er wieder fruchtbar ist. Welchen „guten Kompost“ (= guter Bioabfall = Dünger) bekommst du, damit du wieder „gute Früchte“ bringst?

Das, was bei einer Arbeit „abfällt“ – im Sinne eines Biodüngers – kann Vieles sein:

  • Anerkennung der Leistung durch andere
  • Freude und Dankbarkeit anderer Menschen
  • Erfolg, gutes Gelingen
  • Lernen, Weiterentwicklung von Fertigkeiten, Wissenserwerb
  • Begünstigungen, Vorteile
  • Soziale Beziehungen, Freundschaften
  • Spaß
  • Persönlichkeitsentwicklung (z.B. Konfliktfähigkeit, Selbstbewusstsein,..)Problematisch ist, wenn niemand was geben kann und sämtlicher gute Dünger wegfällt, anstelle dass er dir zufällt. Wenn niemand etwas für sich und dich „übrig“ hat, kann er/sie auch nichts geben.

Was fällt in deiner Arbeit für dich ab? Was gibt dir deine Arbeit? Was bringt dir deine Arbeit? Wer gibt dir positives und konstruktiv kritisches Feedback? Wer gibt dir Anerkennung für deine Leistung?

  • Gegenwärtigkeit und Entschleunigung statt Entäußerung. Die Entäußerung das Trennen von Geist und Körper – ist auf Dauer ungünstig für die Arbeitsfreude. Rechtzeitige regenerative  Kurzpausen in Form von Bewegung oder/und Entspannung, Entschleunigen und bewusstes (Durch)Atmen wirken einer Entäußerung während der Arbeit entgegen. Spürst du deine körperlichen Signale, wie Durst, Hunger, Unwohlsein, Harn- und Stuhldrang, Kälte, Sauerstoffmangel, Bewegungsmangel, Schmerzen, Verspannungen,…?Läufst du schnell und ferngesteuert – roboterhaft – oder bewusst durch die Gänge? Entäußerung meint auch, mit dem Geist dem Körper immer einen Schritt voraus zu sein.

Meine Arbeitsfreudetipps für dich:

Achtsamkeitsübungen wirken sich günstig auf die Verbundenheit mit sich selbst, mit der Tätigkeit und schließlich auf die mit anderen Menschen aus.

Bist du mit deinen Gedanken bei dem, was du gerade tust, oder bereits bei der nächsten Tätigkeit?

Positiv formuliert bedeutet Arbeitsfreude, dass du auch tagsüber in Kontakt bist mit deinem Körper, deinen Gefühle und deinen Bedürfnissen – zumindest immer wieder.

In der Freizeit sind wir bei uns, in der Arbeit außer uns. Manche Menschen sind mittlerweile auch in ihrer Freizeit außer sich, also nicht in Kontakt mit ihrem Körper, ihren Gefühlen und Bedürfnissen, sondern lieber im Internet oder aus anderen Gründen entäußert…und das im Eilzugstempo.

  • Immer wieder Pausen machen (andere Tätigkeiten, auf den Boden legen, auf einem Trampolin wippen, Dehnen, Augenübungen,…)
  • Während einer Besprechung und so oft wie möglich die Aufmerksamkeit auf den eigenen Atem lenken
  • Solo-Tasking-Modus: Eine Tätigkeit auf einmal machen und ggf. mit „Jetzt!“ verbal begleiten.
  • Staunen: Schau deine KollegInnen mal so an, als hättest du sie noch nie zuvor gesehen!
  • Sich täglich etwas Urlaubsfeeling gönnen (z.B. eine halbe Minute die mystischen Nebelschwaden beobachten)
  • Neue Wege gehen/fahren: wähle immer wieder einen neuen Weg zur Arbeit, denn falls du mal neue Wege im Leben gehen möchtest, dann braucht es ganz konkret neue Wege.
  • Sich in einer Besprechung einmal auf einen neuen Sitzplatz setzen. Umsetzen steigert angeblich die Umsätze!
  • Für Abwechslung und das angemessene Maß an Anforderungen sorgen. Auch Unterforderung kann die Arbeitsfreude senken.
  • Bei der Durchführung einer Tätigkeit nicht an das Ende der Tätigkeit denken, sondern gegenwärtig bleiben. Gegenwärtigkeit ist ein wahrer Freudetank! Spür deine Hände, Finger, die Haut, deine Bewegungen…möglichst entschleunigt!

 

3. Anwendungsbeispiel „Lästiger Hausputz oder ganzheitliche Raumpflege?

Achtsames Werken und Wirken kannst du wunderbar im Haushalt üben. Der Hausputz macht nur dann keine Freude, wenn man meint, er müsste schon getan sein. Wenn es jedoch gelingt, bewusst entschleunigt und präsent zu sein, das geeignete Werkzeug und natürlich gut duftende Reinigungsmittel hat, dann kann er ein wahrer Genuss werden! Putzen wird dann zur „ganzheitlichen Raumpflege“. IMPULS-Lifestyle hat in einer Ausgabe bereits von Linda Thomas erzählt, die als Putzfrau Vorträge zur ganzheitlichen Raumpflege hält.

In Meditationszentren und in Michael Endes Momo kannst du auch erleben, wie die Praxis dazu aussieht. Ein Besenstrich auf einmal und ja nicht an die ganze Straße denken, tut Beppo der Straßenkehrer. Auf einmal ist die ganze Straße gekehrt. Genau das ist der Trick. Eins nach dem anderen. So einfach und doch tun wir das nicht…vielleicht weil es zu einfach ist?

Zusätzlich zur sinnlichen Wahrnehmung (Bewegung, Geruch des natürlichen Reinigungsmittels, Tastsinn,..) hilft mir die Absicht, dass ich mit der Bewegung des Wischens alte Energien wegwische und neue Energien einlade.

Zu all dem stelle mir dann noch vor, dass das Fenster, der Herd, der Boden usw. ich selbst bin und ich bei mir selbst Altes entferne und Raum für Neues schaffe.

Wenn du das nächste Mal einen Topf abwäschst, der hartnäckigen Schmutz aufweist, lächle dem Topf zu. Vielleicht löst sich der Schmutz leichter, als wenn du verkrampft mit finsterer Miene abwäschst.

Unsere vier Wände sind ein Spiegel von uns selbst. Es siehst also außen so aus, wie in uns. Darum putzen Menschen vielleicht gern, wenn sie ärgerlich sind oder Klärungsbedarf haben, Sicherheit und Ordnung brauchen und Frauen, wenn sie die Menstruation haben.

Fällt Gewichtsreduktion leichter, wenn Menschen zuerst im Außen (in den Schränken, im Keller, auf dem Dachboden,..) „abnehmen“, also Dinge aussortieren und abgeben?

Angenommen du wärst deine Wohnung, was würde sie dir erzählen? Wie würde sie sich fühlen? Was bräuchte sie von dir, um sich gut zu fühlen und dir ein behagliches Zuhause zu sein?