Der Provokative Therapieansatz stammt von Frank Farrelly. (USA) Provokation bedeutet “Herausforderung”. Der Klient wird zu neuen Verhaltensweisen herausgefordert.

Der Ansatz besagt, dass Menschen oft erst dann neue Verhaltensweisen an den Tag legen, wenn man ihren alten Verhaltensweisen recht gibt.

Unter dem Aspekt, dass wir nicht nur einen Wesensanteil in uns haben, sondern viele, kann man sich das wie folgt vorstellen:

Ein Wesensmerkmal dominiert unser Verhalten, die anderen Wesensmerkmale liegen brach. Sie sind ungenützt, unerkannt, verdrängt, manchmal sogar abgespalten. So sehr wir Menschen motivieren versuchen, einmal ein anderes Wesensmerkmal zum Zug kommen zu lassen, desto mehr meint der Klient, sein dominantes Wesensmerkmal verteidigen zu müssen. Der Klient meint, sein Verhalten A sei das einzig mögliche, ich sage, dass doch auch Verhalten B gut sein könnte, der Klient verteidigt sein Verhalten A, ich ermuntere zu Verhalten B usw. Auf diese Weise kann die Therapie ganz schön lange dauern.

Wenn ich jedoch den Klienten in seinem ungünstigen Verhalten A bestärke und dazu auch noch übertreibe, ermöglicht ihn das, zu erkennen, dass Verhalten A doch nicht immer nur super ist. Die Wahrscheinlichkeit kann sich erhöhen, Verhalten B auszuprobieren. Eine wohlwollende Grundhaltung ist dabei die notwendige Voraussetzung.

Fallbeispiel A:

Herr G. ist zum x-ten Mal im Jahr krank geworden und ärgert sich, so oft nicht zur Arbeit gegangen zu sein.

Ich stelle neckisch folgende Behauptung auf: “Sie wollen doch gar nicht zur Arbeit.”

Methode 1: Ich mache neckische Unterstellungen.

“Also ich finde das toll! Immer wenn es in der Arbeit schwierig wird, flüstern Sie Ihrem Immunsystem zu, es möge doch so nett sein, etwas runter zu fahren, und Ihnen eine Grippe zu servieren. Studien haben außerdem bewiesen, dass sich im Beruf durch Fernbleiben 80% der Probleme von selbst lösen. Ich würde das auch gern können. Man erspart sich dadurch das Nein sagen lernen. Ihr Körper sagt einfach nein. Ist doch echt praktisch. ” (mit Augenzwinkern und entsprechendem Ton, der ja die Musik macht)

Methode 2: Man sympathisiert mit dem Problem, in dem man sich alle möglichen und unmöglichen Vorteile einfallen lässt.

Fallbeispiel B:

Frau B. ist immer sehr streng mit sich. Sie erlaubt sich keine Pausen und keine Erholung. Sie ist überzeugt, faul zu sein, wenn Sie mal eine Stunde nichts täte.

Ich gehe darauf liebevoll neckend ein, gebe ihr recht und bediene mich einer doppelten Wortbedeutung wie folgt:

“Ja, Sie haben recht. Der Liegestuhl könnte Sie faul machen. Faul wie fauliges Obst. Stinkig, grauslich. Igitt. Bitte legen Sie sich ja nicht hin!” (Ekel im Gesicht ausdrücken)

Frau B. schmunzelt darauf hin und sagt: “Sie haben recht, ich darf mich schon auch mal hinlegen, ohne deshalb gleich faul zu werden.”

Methode 3: Ich gebe meinem Gegenüber recht und übertreibe.

Wenn Sie möchten, lassen Sie sich doch einmal liebevoll necken und testen eine provokative Stunde bei mir…oder besser doch nicht! 😉